Der Local Green Score misst die Nachhaltigkeit eines Anbieters anhand von zehn Kriterien, aufgeteilt in zwei Gruppen:
- CO₂-Kriterien, die direkt den ökologischen Fußabdruck beeinflussen (z. B. Ökostrom, regionale Lieferketten),
- sozio-ökonomische Kriterien, die indirekt zur Nachhaltigkeit beitragen (z. B. lokale Präsenz, soziale Verantwortung).
Die Kriterien werden branchenabhängig gewichtet. Die folgende Tabelle zeigt die prozentuale Aufteilung nach Branche:
| Kriteriengruppe | Einzelhandel | Dienstleister | Handwerker | Produktions- betriebe |
Gastronomie |
|---|---|---|---|---|---|
| CO2-Kriterien (1, 2, 4, 5, 6, 9, 10) | 65 % | 60 % | 65 % | 65 % | 65 % |
| Sozio-ökonomische Kriterien (3, 7, 8) | 35 % | 40 % | 35 % | 35 % | 35 % |
| Gesamt | 100 % | 100 % | 100 % | 100 % | 100 % |
Unsere 10 Kriterien im Überblick
- Regionale Lieferketten: Beziehen Anbieter Produkte, Materialien oder Dienstleistungen aus ihrer Region?
- Nachhaltige Angebote: Bieten sie nachhaltige Produkte oder Dienstleistungen an?
- Lokale Präsenz: Wie stark sind sie lokal vertreten (z. B. physischer Standort vs. rein online)?
- Abfallreduktion: Vermeiden sie Abfall, z. B. durch weniger Verpackung oder Abfalltrennung?
- Ökostrom: Welchen Anteil hat Ökostrom an ihrem Stromverbrauch?
- Energieeffizienz und CO₂-Reduktion: Sparen sie Energie oder CO₂, z. B. durch effiziente Geräte?
- Soziale Verantwortung: Spielen Umwelt- und Gesellschaftsthemen eine Rolle?
- Nachhaltigkeitskommunikation: Machen sie ihre nachhaltigen Schritte sichtbar?
- Klimafreundliche Mobilität: Nutzen sie Lösungen wie Elektrofahrzeuge oder Sharing-Konzepte?
- Kreislaufwirtschaft: Halten sie Produkte durch Wiederverwendung, Reparatur oder Recycling im Kreislauf?
Warum diese zehn Kriterien?
Die zehn Kriterien – regionale Lieferketten, nachhaltige Angebote, lokale Präsenz, Abfallreduktion, Ökostrom, Energieeffizienz/CO2-Reduktion, soziale Verantwortung, Nachhaltigkeitskommunikation, klimafreundliche Mobilität und Kreislaufwirtschaft – wurden gezielt ausgewählt, um die Nachhaltigkeitsleistung branchenübergreifend zu erfassen. CO2-Kriterien wie Ökostrom und Energieeffizienz adressieren die größten Emissionsquellen, etwa in Produktionsbetrieben, wo Energieverbrauch ~50–60 % der Emissionen ausmacht, oder im Handwerk, wo Mobilität ~30–40 % verursacht. Regionale Lieferketten und Abfallreduktion berücksichtigen branchenspezifische Unterschiede, wie in der Gastronomie, wo Lebensmittelbeschaffung ~40–50 % des CO2-Fußabdrucks ausmacht. Sozio-ökonomische Kriterien wie lokale Präsenz und soziale Verantwortung fördern regionale Wirtschaft und faire Arbeitsbedingungen, die in allen Branchen relevant sind. Diese Kombination ermöglicht eine faire, vergleichbare Bewertung der Nachhaltigkeit für Einzelhandel, Dienstleister, Handwerker, Produktionsbetriebe und Gastronomie.
| SDG | Kriterium | Erklärung |
|---|---|---|
| SDG 9 | Regionale Lieferketten | Mindestens 50 % der Produkte, Materialien oder Dienstleistungen stammen aus einem Umkreis von 100 km. Dies schließt lokale Handwerker, Produzenten und Dienstleister ein, die regionale Ressourcen nutzen und Kreislaufwirtschaft fördern. |
| SDG 12 | Nachhaltige Angebote | Angebot von Produkten oder Dienstleistungen, die umweltfreundlich, langlebig oder sozial verantwortlich sind, um nachhaltigen Konsum zu fördern. |
| SDG 11 | Lokale Präsenz | Förderung der lokalen Wirtschaft und Kundenbindung durch physische Präsenz wie Ladengeschäfte, Werkstätten oder Büros, mit Beitrag zur regionalen Nachhaltigkeit. |
| SDG 12 | Abfallreduktion | Konsequente Reduktion von Abfall durch Maßnahmen wie weniger Verpackung, Abfalltrennung oder Zero-Waste-Strategien, um Ressourcen zu schonen. |
| SDG 7 | Ökostrom | Mindestens 50 % des Stroms wird aus erneuerbaren Energien bezogen (z. B. Wind, Solar), kombiniert mit Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. |
| SDG 13 | Energieeffizienz und CO₂-Reduktion | Der CO₂-Ausstoß wird durch optimierte Prozesse reduziert oder kompensiert (z. B. emissionsarme Transporte, Effizienzmaßnahmen, Klimaprojekte). |
| SDG 16 | Soziale Verantwortung | Aktives Engagement für die Gemeinschaft durch Maßnahmen wie Spenden, Sponsoring oder soziale Projekte, die über den eigenen Betrieb hinausgehen. |
| SDG 12 | Nachhaltigkeitskommunikation | Veröffentlichung von Informationen über nachhaltige Praktiken, z. B. durch einen Nachhaltigkeitsbericht, um Vertrauen und Offenheit zu schaffen. |
| SDG 11 | Klimafreundliche Mobilität | Nutzung klimafreundlicher Mobilitätslösungen wie Elektrofahrzeuge, Fahrräder oder Sharing-Konzepte, um Emissionen im Transport zu senken. |
| SDG 12 | Kreislaufwirtschaft | Produkte und Materialien werden durch Wiederverwendung, Reparatur oder Recycling im Kreislauf gehalten, um Abfall zu minimieren. |
Wie erfolgt die Gewichtung?
Die Gewichtung der Kriterien erfolgt nach ihrer Relevanz für die jeweilige Branche:
- Einzelhandel: Fokus auf Transport (~40–50 %) und Strom (~30–40 %) → Regionale Lieferketten (15 %), Ökostrom (10 %)
- Unabhängige Buchläden: Grosso-Struktur schränkt regionale Lieferketten strukturell ein, dafür starke sozio-ökonomische Funktion als Kulturort → Lokale Präsenz (20 %), Soziale Verantwortung (15 %), Nachhaltige Angebote (15 %)
- Dienstleister: Stromverbrauch dominiert (~50–60 %) → Ökostrom (18 %), Energieeffizienz (15 %)
- Handwerk: Hohe Mobilitätsemissionen (~35 %) → klimafreundliche Mobilität (16 %)
- Produktion: Stromverbrauch zentral (~50–60 %) → Ökostrom & Energieeffizienz je 16 %
- Gastronomie: Zutaten zentral (~40–50 %) → Regionale Lieferketten (20 %)
Sozio-ökonomische Kriterien wie lokale Präsenz oder soziale Verantwortung erhalten zwischen 10–20 % Gewicht.
Warum branchenspezifische Gewichtungen?
Jede Branche hat einen einzigartigen CO2-Fußabdruck. In der Gastronomie sind Zutaten der Hauptfaktor, während Produktionsbetriebe viel Strom verbrauchen. Unsere Gewichtungen berücksichtigen diese Unterschiede, um Anbieter fair zu bewerten. Die Gewichtung basiert auf tatsächlichen Emissionsanteilen, z. B. verursacht der Stromverbrauch bei Dienstleistern ~50–70 % der CO2-Emissionen (Fraunhofer-Institut, 2023), während Mobilität im Handwerk ~35 % ausmacht (BDI, 2022). Die Antworten auf die Kriterien („nein“ = 0, „teilweise“ = 50, „umfassend“ = 100) werden mit den Gewichtungen multipliziert und addiert, um den Green Score von 0 bis 100 zu berechnen.
Ziele der Gewichtung
Die Gewichtungen sind so gestaltet, dass sie die Bedeutung jedes Kriteriums für den CO2-Fußabdruck der jeweiligen Branche widerspiegeln. Beispielsweise hat Ökostrom bei Produktionsbetrieben ein höheres Gewicht, da der Energieverbrauch dort den größten Anteil der Emissionen ausmacht. In der Gastronomie sind regionale Lieferketten stärker gewichtet, da die Wahl der Zutaten maßgeblich den CO2-Ausstoß bestimmt. Sozio-ökonomische Kriterien wie lokale Präsenz oder soziale Verantwortung ergänzen die Bewertung, indem sie nachhaltige Werte fördern, die über direkte Emissionen hinausgehen. Dadurch entsteht ein Green Score, der die tatsächliche Umweltwirkung eines Anbieters möglichst präzise abbildet.
Methodische Grenzen
1. Begrenzte Spezifität
Für manche Branchen (z. B. Handwerk) fehlen differenzierte Emissionsdaten. Studien liefern oft nur Durchschnittswerte ohne Unterscheidung nach Gewerken.
→ Lösung: Nutzung typischer Durchschnittswerte basierend auf Quellen wie BDI (2022) oder Umweltbundesamt.
2. Hohe Variabilität
Innerhalb einer Branche gibt es große Unterschiede (z. B. IT-Beratungsfirma vs. Kanzlei). Diese können nicht vollständig abgebildet werden.
→ Lösung: Orientierung am durchschnittlichen Betrieb der jeweiligen Branche, Extremfälle werden nicht übergewichtet.
3. Teilweise veraltete Daten
Einige Studien (z. B. Capgemini 2020) sind nicht mehr vollständig aktuell und bilden neue Trends (z. B. Elektrifizierung) nur eingeschränkt ab.
→ Lösung: Bevorzugung aktueller Quellen (2022–2024); ältere Daten nur bei Relevanz und in Kombination mit neueren Analysen.
4. Unvollständige Datenlage
Für manche Kriterien (z. B. Kreislaufwirtschaft) gibt es kaum quantitative Emissionsdaten.
→ Lösung: Verwendung verwandter Indikatoren (z. B. Abfallreduktion als Proxy) und konservative Schätzungen.
5. Einsatz von Durchschnittswerten
Die Einzelfallbetrachtung ist bei standardisierten Scores nicht umsetzbar. Durchschnittswerte ermöglichen dennoch faire Vergleichbarkeit.
→ Lösung: Kombination verschiedener Quellen und Validierung durch branchennahe Studien und Experteneinschätzungen.
Quellen
Die Gewichtungen und branchenspezifischen Annahmen basieren auf folgenden Quellen:
- Umweltbundesamt (2022–2024): Für Dienstleister (Ökostrom), Handwerker (Mobilität), Einzelhandel (Lieferketten). https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie
- Fraunhofer-Institut (2023–2024): Für Dienstleister (Ökostrom) und Produktionsbetriebe (Energieeffizienz). https://www.ise.fraunhofer.de
- Statista (2023–2024): Für Einzelhandel, Handwerker und branchenübergreifende CO2-Daten. https://de.statista.com
- Deloitte (2025): Für Dienstleister (Ökostrom). https://www.travelperk.com/de/guides/nachhaltigkeit/statistiken/
- Capgemini (2020): Für Einzelhandel und Produktionsbetriebe. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1132284/umfrage/bedeutung-nachhaltigkeit-branche-vertreter/
- Statistisches Bundesamt (2023): Für Produktionsbetriebe (Energieverbrauch). https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Energie/Energieverbrauch
- BDI (2022): Für Handwerker (Mobilität). https://bdi.eu

